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Sie sind Unternehmer/in und möchten die Materialien Ihrer Firma in eine oder mehr Sprachen übersetzen lassen? Dann beachten Sie bitte folgende Hinweise.
Übersetzung ist keine Mathematik
Der Prozess der Übersetzung ist nicht mathematisch. Das bedeutet: „X“ in einer Sprache kann wohl „X“ in einer anderen Sprache bedeuten, aber vielleicht auch nicht, oder auch/nur „Y“. Vor allem in Sprachen wie Deutsch, wo Wörter — einschließlich winziger Präfixe und Affixe — sehr unterschiedliche Bedeutungen haben können, ist der Kontext sehr wichtig. Deswegen empfiehlt es sich immer, dem/der jeweiligen Übersetzer/in die größte Menge an Information auszuhändigen oder Links zu übersenden, wo man solche Information finden kann.
KI-gestützte (automatische) Übersetzung vs menschliche Übersetzung
Künstliche Intelligenz (KI) ist jetzt in aller Munde, und ist eine Technologie, die auch in die Welt der Übersetzung Einzug gehalten hat. Zwar können KI-gestützte Systeme große Datenmengen schnell von einer zur anderen Sprache übertragen — das Ergebnis kann man aber in den meisten Fällen nicht einfach so verwenden. Das ist umso mehr der Fall in einem Bereich wie dem des Unternehmens und der Technik, wo der korrekten Anpassung u.a. rechtlicher Zusammenhänge einerseits und der Richtigkeit der Terminologie andererseits eine so große Bedeutung zukommt. Hier sind menschliche Leitung und Prüfung aller Ergebnisse unabdingbar.
Übersetzung vs Lokalisierung: Nicht genau das Gleiche
Diese beiden Begriffe werden oft verwechselt bzw. als Synonyme gebraucht. Jedoch beziehen sie sich auf zwei unterschiedliche Prozesse. Eine Übersetzung ist im strengen Sinne keine Lokalisierung, und Letztere kann auch unterschiedlicher Art sein. Ein Paradenbeispiel ist das der rechtlichen Hinweise auf Webseiten. Stellen Sie sich vor, dass Ihre Webseite — bezüglich möglicher Mängelansprüche des Kunden an bestimmen Produkten — sich auf „§ 377 HGB“ bezieht. Eine reine Übersetzung ins Spanische würde die Stelle als „el art. 377 del Código Mercantil alemán“ übertragen. Eine Lokalisierung würde hingegen die Perspektive ändern und die Stelle nach dem Recht des jeweiligen Ziellandes oder der jeweiligen Region (z.B. Spanien oder der EG) richten. Im ersten Fall sollte man die Passage auf „art. 6 de la Ley 3/2004“ (Art. 6 des Gesetzes 3/2004 des spanischen Rechts) beziehen; im zweiten Fall sollte man die Stelle auf die entsprechende Passage der Richtlinie 2011/7/UE richten.
Eine andere Art von Lokalisierung hat mit „lokaler Farbe“ zu tun. Sagen wir mal, Sie möchten Ihrer Texte einmal für ein spanisches Publikum, einmal für ein kolumbianisches Publikum angepasst bekommen. Das kann man im Laufe einer Lokalisierung machen. Jedoch ist diese Prozedur in der Regel für eine technische Übersetzung nicht zutreffend: Hier würde eine gute Übersetzung ins EU-Spanisch für beide Audienzen angemessen (und auch günstiger) sein. Das kann man vergleichen mit der üblichen Verwendung vom Hochdeutschen bei offiziellen Texten in der Schweiz.
Rechtliche Zusammenhänge (und andere „lokalisierbare“ Materialien)
Wie schon oben angesprochen, sind rechtliche Angaben auf Dokumenten, was am meisten einer Lokalisierung bedürfen kann. Wichtig hier ist es immer, den Inhalt des Originals zu prüfen. Es kann sein, dass einige Passagen der rechtlichen Hinweise — wenn nicht alle — zum fremden Kontext angepasst werden sollen oder müssen. Diese Stellen sollte man am besten markieren, um ggf. eine Lokalisierung zu verlangen. Sie können auch eine solche Prüfung bei der Beauftragung mit bestellen.
Die Wichtigkeit von Terminologie: Nicht nur Konsistenz — und auch nicht immer
Vor allem im technischen Bereich ist die Terminologie ein sehr wichtiger Aspekt, dem man oft nicht genug Aufmerksamkeit schenkt. Sei es, dass Ihre Firma eher kommerziell oder industriell ist, sollten Ihre Waren, Produkte oder Artikel immer mit den richtigen Begriffen genannt werden. In beiden Fällen ist das essenziell für Ihren Umsatz (im ersten Fall ganz direkt, als Möglichkeit zum Kauf) sowie für die Anwendbarkeit der Produkte an sich. Wenn Sie möchten, in einem fremden Kontext am besten positioniert sein, sollten Sie auf die richtige Anwendung der Terminologie sehr achten. Das wird auch für die Suche auf Suchmaschinen (SEO) förderlich sein.
Aber eine konsistente Verwendung von Terminologie allein bedeutet nicht, dass man damit richtig umgeht. Denn für eine solche Konsistenz ist auch wichtig, dass die verwendeten Begriffe richtig passend und anwendbar sind, und hier ist eine spezielle Prüfung sehr wichtig. Trotz dieser Wichtigkeit findet man zu oft, dass man die für eine Firma oder deren Produkte essenziellen Terme einfach maschinell übersetzt – man vertraut das sozusagen der angeblichen „KI-Magie“ an.
Im Laufe eines großen Übersetzungsprojekts kann es auch wohl notwendig sein, die verwendete Terminologie anzupassen. Das bedeutet in der Regel nicht, dass die zuvor verwendeten Begriffe falsch waren. Der Änderungsbedarf kann durch neuere Erkenntnisse gut motiviert sein.
Man soll auch beachten, dass innerhalb eines professionellen Kontexts — d.h. wenn man das Handling der Terminologie an Fachleuten überlässt — ist in der Regel keine Frage von richtigen und falschen Begriffen. Konkret bedeutet das, dass für bestimmte Waren oder Produkte verschiedene Terme richtig sein können. Die Verwendung von unterschiedlichen, aber gut recherchierten Begriffen deutet nicht darauf hin, dass die Recherche bzw. die Festlegung solcher Termini falsch sein sollte. Bei Zweifeln sollte man das am Besten mit den Profis klären.
Anordnung von zu übersetzenden Materialien
Es kann sein, dass, wenn Sie noch keine Chance hatten, die Materialien Ihrer Firma übersetzen zu lassen, sich gefragt haben, welche Dokumenten Sie als Erstes übersetzen lassen sollten. Erfahrungsgemäß empfiehlt es sich immer, als Erstes jegliche Dokumente zu übersetzen, die die größte Menge an Information über die Waren/Produkte/Dienste Ihrer Firma bietet. Das können z.B. Bedienungsanleitungen und Handbücher sein, denn da wird richtig beschrieben, worum es genau geht. Dann kann man die dort zu findende Übersetzung als Basis für alle anderen Texte verwenden (Software-Screenshots, Maschinenschalter-Überschriften usw.). Vor allem sollten Sie darauf verzichten, kleinere Texte — wie z.B. Überschriften für Maschinenschalter oder für Software-Funktionen auf Screenshots — an erster Stelle übersetzen; das sollte immer an letzter Stelle geschehen. Der Grund ist logisch: Übersetzung ist ja keine Mathematik (s.o.), und eine gute Übersetzung bedarf kontextueller Information — je mehr desto besser.
Kleinere Texte, vor allem einfache Wörter, bieten diese Information nicht. Die rasche Übersetzung von solchen kleinen Texten kann allerlei Probleme verursachen. Es ist oft nur im Laufe eines großen Übersetzungsprojekts, dass man die treffenden Begriffe finden kann. Also: Bitte das Kleine immer auf die letzte Reihe schieben.
Einziger Übersetzer oder (große) Sprachagentur: Pros & Cons
Anbieter von Übersetzungen gibt es mehrere, unter ihnen auch Firmen unterschiedlicher Größen, die Ihre Dokumente in sehr viele Sprachen übertragen können. Was sind denn die Vor- und Nachteile? Zwar können solche Firmen Projekte in eine große Anzahl von Sprachen (10-20) am besten bewältigen, denn das ist ein Bereich, wo ein einziger Übersetzer — selbst mit Hilfe seiner Mastermind-Gruppe — nicht bewältigen kann. In allen anderen Fällen empfiehlt es sich, mit Einzelmenschen zu arbeiten. Die Vorteile sind vor allem eine enge Zusammenarbeit und freundlicher Umgang, und Ergebnisse, die auf die jeweiligen Bedürfnisse richtig angepasst sind.